Coaching für Unternehmerpaare: Wenn sie den Rücken freihält und keine Rolle hat
Er gründet, sie hält den Rücken frei – und hat keine Rolle.
Er gründet ein Unternehmen. Sie hält ihm den Rücken frei: Kinder, Haushalt, und nebenbei arbeitet sie im Büro mit. Eine Rolle hat sie dort nie bekommen. Sie ist nicht die Chefin an seiner Seite, sondern „die Frau vom Chef". Ein Klassiker, den ich in der Beratung von Unternehmerpaaren immer wieder höre.
Was Paare in diesem Muster erleben
Lars hat vor einigen Jahren gegründet (Namen und Details sind geändert). Seine Frau Katrin trägt viel, aber entscheiden darf sie wenig. Wenn sie Ideen einbringt, kommt: „Erst wenn die Zahlen stimmen." Bei Investitionen kommen drei Gegenargumente. Selbst Ideen, die längst gut funktionieren, werden nicht gewürdigt. Und wenn sie nicht lockerlässt, kommen die Geschichten aus der Gruft: Fehler, die sie einmal gemacht hat und danach nie wieder.
Er selbst ist am liebsten draußen bei den Jungs. Dort hat er Kontrolle und kann sicherstellen, dass alles läuft. Geführt wird allerdings wenig, für sein Team ist er eher der Buddy.
Warum das Gespräch kippt
Beide leben in unterschiedlichen Welten. Bei ihm steckt oft die Sorge dahinter, dass alles ins Wanken gerät, wenn er das Risiko nicht kontrolliert. Draußen bei den Jungs ist die Welt überschaubar, im Gespräch mit seiner Frau ist sie es nicht. Bei ihr ist es das Gefühl: Ich trage viel und zähle nicht.
Unter Druck geht jeder in seinen Keller. Er wird sachlich und blockt, sie wird laut oder zieht sich zurück. Im Keller hört niemand mehr zu. Aus einem Gespräch über die Firma wird ein Streit über die Beziehung.
Wo Paar und Firma sich überlagern
Das Thema ist nicht „Wer hat recht?". Es geht um zwei Fragen: Welche Rolle hat sie im Unternehmen, und hat sie sich diese Rolle ausgesucht? Und: Wie sieht Führung bei euch aus, wenn er lieber draußen ist, sie aber de facto führt, ohne dass es jemand ausspricht?
Wie ein Weg aussehen kann
Eine Lösung verrate ich hier nicht, denn sie sieht bei jedem Paar anders aus. Oft hilft schon, wenn beide verstehen, was im Keller des anderen passiert. Dann werden aus Vorwürfen wieder Gespräche, und Rollen lassen sich klären.
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