Perfektionismus in der Beziehung: Wenn Entspannung heißt, alles zu kontrollieren
Sie fühlt sich nur wohl, wenn alles perfekt läuft. Und keiner sieht, wie viel das kostet.
Was Paare in diesem Muster erleben
Sonja ist 46 und arbeitet in Teilzeit. Sie macht den Haushalt, den Job und die Kinder, und zwar alles richtig. Die beiden Kinder sind inzwischen Teenager. Trotzdem packt sie vor jeder Klassenfahrt noch immer den Koffer. Die Teenager rollen mit den Augen und lassen sie gewähren. Entspannung bedeutet für Sonja nicht Sofa. Entspannung heißt: Es ist alles erledigt, und zwar so, wie es sein soll.
Ihr Mann Markus übernimmt den Einkauf. Das ist gut gemeint, und er will es richtig machen. Also ruft er an. Einmal, zweimal, zehnmal. „Welche Marke? Die mit dem blauen Deckel oder die andere?" Sonja ist genervt und denkt: „Was kann denn daran so schwer sein? Er braucht doch nur …“ Sie kritisiert ihn und macht sich oft über ihn lustig.
Markus denkt: „Egal, was ich mache, es ist nie richtig.“
Warum das Gespräch kippt
Von außen sieht das nach Kleinigkeiten aus. Innen geht es um viel mehr. Sonja kann nur loslassen, wenn sie weiß, dass nichts schiefgeht. Markus hat gelernt, lieber nachzufragen, als etwas falsch zu machen. Beide sichern sich ab, und beide sind erschöpft. Sie ist müde, weil sie alles trägt. Er ist müde, weil er sich nie gut genug fühlt.
Wer sitzt im Keller?
Stell dir eure Beziehung als Haus vor. Wenn Stress hochkommt, gehen viele in den Keller. Sonja kontrolliert und verbessert. Markus fragt nach und zieht sich zurück. Im Keller hört keiner mehr zu. Dabei haben beide dasselbe Ziel: Es soll gut laufen.
Wie ein Weg aussehen kann
Eine Lösung verrate ich hier nicht, denn sie sieht bei jedem Paar anders aus. Oft hilft es schon, wenn beide verstehen, was der andere mit seinem Verhalten eigentlich sichern will. Dann wird aus „Du machst es nie richtig" die Frage: „Was brauchst du, damit du loslassen kannst?"
Solche Themen im Beziehungsdolmetscher Club
Muster wie dieses tauchen nicht nur bei Paaren auf, sondern überall, wo Menschen zusammen leben und arbeiten. Genau darüber sprechen wir im Beziehungsdolmetscher Club: mit Impulsvorträgen, Fallbeispielen, Arbeitsblättern und Live-Sessions. Du kannst den Club bei einer ersten Live-Session am 5. November kennenlernen.
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